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AMJ-Mitteldeutschland
Nachlese der Familienmusiktage 2010
Das singende, klingende Schloss –
Musik, Tanz und Spiel auf Schloss Colditz
(Teilnehmerbericht von André Berthold - erschienen in AMJ-Jahresheft „Intervalle“ Ende 2010, S.42/43)
Wenn man beim AMJ Angebote für Familienfreizeiten sucht, finden diese bislang überwiegend im Norden Westdeutschlands statt. Die Beschreibungen dazu klingen manchmal nach einer auf Reisen befindlichen Riesen-Musikschule. Ob das wohl das Richtige ist für unseren fünfjährigen Musik-Anfänger und unsere schon etwas geübtere Neunjährige, die musikalisch aber auch noch in den Kinderschuhen steckt?
2010 taucht zum ersten Mal ein sächsischer Veranstaltungsort in einer schönen Lage auf. Als er auch noch mit einem individuellen Titel beworben wird, der mehr verspricht als eine Folge in einer großen Serie zu sein, ist der Mut zur Teilnahme geweckt. "Der AMJ-Regionalverband-Mitteldeutschland möchte zu Pfingsten 2010 ein altes AMJ-Erfolgsmodell in Mitteldeutschland zu neuem Leben erwecken: Eine große Familienmusikfreizeit mit generationsübergreifenden Musiziermöglichkeiten für vielerlei Geschmack in traumhaftem Ambiente..."
Die Nachlese dieses Zusammentreffens von etwa vierzig Musikanten zwischen zwei und siebzig lässt sich auf wenige Worte verdichten: Vollauf gelungen! Dank Christian Fischer und seinem sympathischen Dozententeam ist der sächsische Musikfreizeit-Ableger geboren.
"Mein liebstes war Percussion, weil ich das mit dem Papa machen konnte, Keyboard war auch toll, weil ich da den Hasen, der hüpft, gelernt habe." Neben Christian (Fischer), Peter (Kuhnsch), Angelika (Mees) und den kurzfristig eingesprungenen Joachim (Geibel) und Christine (Mothes) gehörte Sophie (Bauer) zum Dozentenkreis aus Leipzig und Köln. Sophie brachte mit Liedern "mitteldeutsches" Lokalkolorit ein, außerdem war zu beobachten, dass "sie so gut tanzen und singen konnte und so ne schöne Hose anhatte. Deswegen bin ich auch zum Kinderchor gegangen." Die Beschreibung ist beispielhaft, denn Kompetenz, Witz und Einfühlungsvermögen in die Wünsche und Fähigkeiten der Teilnehmer darf man allen aus diesem Team bescheinigen.
"Und dass es da ne Kinderbetreuung gab, wo man Fußball und Kicker spielen konnte." Tina (Binder) ermöglichte es, dass sich Eltern und Kinder auch mal für ein oder zwei Stunden in komplett verschiedenen Veranstaltungen befinden und allzu hippelige Popos bei Bewegung und Sport etwas Energie verlieren konnten. Zwischen Tischtennis, Jonglieren und Vorlesen war da für jede Altersgruppe etwas dabei, ohne dass eine Konkurrenz zu den Musik-Angeboten entstand.
Wenn auch die Teilnehmerzahl hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück blieb - vielleicht war gerade das einer der Charme-Pluspunkte der knapp vier Tage auf dem Schloss. Auch wenn noch der eine oder andere Name verwechselt wurde, wusste man am Ende doch über jeden Mitmusiker, woher er oder sie kam, welche musikalischen Erfahrungen und Interessen in ihm steckten und ob man gern wieder gemeinsam musizieren würde. Es gab keine anonymen Gruppen, die sich nach einer Vorstellungsrunde zu vielen Kursen verliefen, sondern es entstand eher selbst eine kleine Großfamilie. Zu der übrigens in Colditz ganz selbstverständlich auch die Dozenten und ihre Kinder gehörten. Nebeneffekt davon war allerdings, dass die Team-Planung für den nächsten Tag auch mal erst um halb elf abends eingeschoben werden konnte...
Alle Musik-Einheiten waren bestens vorbereitet, selbst wenn man nicht immer gleich wusste, was heute wo läuft. Egal! Es waren Noten und Plätze für alle da. Die ausgewählten Musikstücke wurde nach einigen Testballons durch die Dozenten gezielt vertieft. Und da lagen noch so viele Ideen in Kisten und Kasten, die gar nicht verwirklicht werden konnten... Am Ende entstand nicht erst durch das große Abschlusskonzert der Eindruck, dass wir hier richtig etwas erarbeitet haben und musikalisch weitergekommen sind.
Bei so viel Lob muss man fragen: Wo bleibt denn die Kritik? Tja, auch die kam bei der Nachlese mit den Kindern auf den Tisch! "Dass man beim Tischtennis immer um die Platte laufen musste" oder "dass das Jonglieren nicht geklappt hat.". Mit weniger "Chinesisch" und ein bisschen mehr Übung dürften diese Kleinigkeiten bei den nächsten Malen aber in den Griff zu bekommen sein ;-)
Für die Zukunft wünschen wir uns, dass es wieder "ein Schnupperangebot für kleine Geiger" (oder andere Instrumente) gibt, wie es dieses Mal fürs Keyboard der Fall war. Zudem würden sich mehr Freiräume für die Familien öffnen, wenn es gelänge, das Programm ferienkompatibel auf eine ganze Woche auszuweiten.
Auch wenn wir wegen viel Musik und viel Angebot am Ende einfach platt sind - wir sind mindestens ebenso traurig, dass es schon vorbei ist und kehren mit freiem Kopf in Schule, Arbeit und Kindergarten zurück. Nicht ohne Hoffnung auf ein nächstes Mal: Spätestens Pfingsten 2011 reisen wir gern wieder an die Mulde...
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